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max, ich bin lange nicht im wald gewesen

 

             

                                      für Max Ernst

 

 

hinter mir muschelbänke und gefiltertes licht 

max, ich bin lange nicht im wald gewesen

die bäume tanzen mit mir bei zunehmender

dunkelheit einen plump-grotesken tanz

 

 

dem ich mich ganz hingebe denn übung macht

stark wie du sagst mechanisiertes rauschen 

und baummetamorphosen bizarr und ohne

umrisse programmation annulée

 

 

ich schalte mich in eine andere wirklichkeit hinein

spüre wie mein denken mich verlässt kann mich

aber dem sog dieser sinfonie des verblüffenden

und fabelhaften nicht entziehen

 

 

wieselnde augen und wandernde fische gelbe

flecken und drahtgespenster segelschiffe

und spukende gaukler sie sprechen eine eigene

sprache die mehr aussagt als die menschliche 

 

 

der mond baumelt über dem figurengewimmel

wie ein wecker an einem haar bretons und mein

tanz unter dem wasserfall der unbehauenen

zeit ist wie die konstruktion eines gedichts 

 

 

wo vorher eine lichtung war da wächst jetzt

eine lichtung wo vorher ein baum stand 

da wächst jetzt ein baum der wald klappt um

die wirklichkeit ist anders...

 

 

***

 

 

 
die fliege
 
unbenannt und identitätslos
bis auf hebbels fliege im schlund der schwalbe oder balthasar
van der asts fliege im stillleben tulpe sommerschön
 
kosmopolit ohne einbindung
 
ansonsten lässt sie sich gehen und fliegen weiß aber immer
etwas mit sich anzufangen kennt keine nutzlosen
handlungen und gibt keine zeit verloren
 
vorteil der frühen sterblichkeit
 
mit der präzisen gelenkigkeit der mathematik und brennender
lust durchwandert sie die zarte architektur
der scheinbar an ihren beinen
 
emporgewachsenen glasscheibe auf die die sonne aus voller
schürze ihr feuer schüttet mit kraftvollem
drive hebt sie ab und
 
landet nach schnellem patrouillenflug ruckartig es scheint als
haspele sie in einer seitenkapelle ihres körpers
ein gedichtchen ab oder ein gebet
 
energiekern kämpferseele profi
 
sie sah sich in ihrem kurzen leben nicht zu sie handelte nun
lässt sie sich sterben auf einem bett wogender atome
aus eiter schweiß und kehricht
 
anders hält sie sich nicht aus
 
 
***
 
 


die rosen kommen oder

flucht ist ein anderes hinhören

 

 

 

die vögel hatten ausgeträllert

und ich habe sie schweigen gehört

da wurden mein kasper und ich 

ohne mich noch mal umzudrehen 

für die flucht nach westen verladen

 

 

unaufhörlich bohrte ich: warum?
mutter sagte: sitz nicht so krumm
die rosen kommen die rosen kommen
so habe ich`s vernommen

 

 

der alte planwagen holperte und polterte

während die klage des himmels 

dem verhallenden erdengeräusch aus einer

mahlersinfonie entstiegen zu sein schien

 

 

flucht ist ein anderes hinhören

 

 

im westen wurde ich geboren

der zwischenmensch blieb auf der strecke

und das schweigen hatte wieder fenster

vieles aber wurde wegerzählt

 

 

mein haar kam unters messer

einige blieben jedoch ungeschoren

 

 

die roten ameisen rannten aus den steinritzen

regale füllten sich wie spatzenhecken

die grillen geigten mir mut und die sonne

wärmte mich mit behutsamem feuer

 

 

der kasper war trotz eines verlorenen arms

ein beruhigender und aufbauender zeitrest

seine poetische seele war nicht im eimer

 

 

noch heute meide ich die nähe von rosen

 

 

***

 

                 

 

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